Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass drei in China entdeckte Homo erectus -Schädel etwa 1,8 Millionen Jahre alt sind – deutlich älter als bisher angenommen. Dieser Befund verändert unser Verständnis der frühen Verbreitung der Homininen in ganz Asien und macht Ostasien zu einer Schlüsselregion für die Entwicklung dieses alten menschlichen Verwandten.
Neudatierung der Yunxian-Schädel
Jahrzehntelang wurde angenommen, dass die Yunxian-Schädel aus der Provinz Hubei auf der Grundlage zugehöriger Tierfossilien etwa eine Million Jahre alt seien. Eine kürzlich in Science Advances veröffentlichte Studie verwendet jedoch eine hochmoderne Datierungsmethode – die kosmogene Nuklid-Bestattungsdatierung –, um ihr Alter genauer zu bestimmen. Diese Technik analysiert den Zerfall von Isotopen in Sedimentschichten und zeigt, dass die Schädel etwa 600.000 Jahre älter sind als frühere Schätzungen, nämlich etwa 1,77 Millionen Jahre.
Implikationen für die menschliche Evolution
Der überarbeitete Zeitplan hat erhebliche Auswirkungen. Homo erectus gilt als der erste menschliche Verwandte, der Afrika verließ. Zuvor wurden in Dmanisi, Georgia, die ältesten asiatischen Fossilien gefunden, die 1,78 bis 1,85 Millionen Jahre alt sind. Diese neuen Erkenntnisse legen nahe, dass H. erectus ist möglicherweise relativ schnell, möglicherweise sogar früher als angenommen, durch Asien gewandert.
Bemerkenswert ist, dass die Schädel aus Yunxian trotz ihres ähnlichen Alters größere Gehirngrößen aufweisen als die in Dmanisi gefundenen. Diese Variation verdeutlicht die schnellen evolutionären Veränderungen, die bei Homininen außerhalb Afrikas auftreten.
Das Rätsel der frühen Werkzeuge
Die Datierung verkompliziert auch die bestehenden archäologischen Aufzeichnungen. In China entdeckte Steinwerkzeuge stammen aus der Zeit vor 2,1 bis 2,43 Millionen Jahren und liegen damit um bis zu 600.000 Jahre vor dem neu bestätigten Alter der Yunxian-Schädel. Diese Lücke wirft die Frage auf, welche Homininspezies diese frühen Werkzeuge geschaffen hat und in welcher Beziehung sie zur späteren Ankunft von H. erectus.
Debatte und weitere Forschung
Obwohl die neue Datierung überzeugend ist, mahnen einige Forscher zur Vorsicht. Chris Stringer vom National History Museum in London weist darauf hin, dass ein solches Alter dazu führen würde, dass die Yunxian-Fossilien nicht mehr mit dem breiteren Fossilienbestand übereinstimmen. Er vermutet, dass die Fossilien zu einer Population gehören könnten, aus der schließlich die Denisova-Menschen hervorgingen, eine ausgestorbene Gruppe von Homininen, die eng mit den Neandertalern verwandt sind.
Weitere Datierungsarbeiten sind von entscheidender Bedeutung, um diese Ergebnisse zu bestätigen und die verbleibenden Unsicherheiten über die frühen Migrationsmuster der Homininen zu beseitigen.
Die überarbeitete Zeitleiste für die Yunxian-Schädel zwingt Experten dazu, die Ursprünge nicht nur des Homo erectus, sondern auch der Vorfahren des modernen Menschen, des Homo sapiens, zu überdenken. Die Forschung unterstreicht die Bedeutung weiterer Untersuchungen in China, die weitere Einblicke in unsere evolutionäre Vergangenheit ermöglichen könnten.

























