Menschliche Abfälle könnten in Kombination mit Mond- oder Marsboden der entscheidende Bestandteil für die Etablierung einer nachhaltigen Landwirtschaft auf anderen Planeten sein. Eine aktuelle Studie der Texas A&M University zeigt, dass organische Abfallströme – praktisch Astronautenabwasser – im anorganischen Regolith des Mondes und des Mars eingeschlossene Nährstoffe freisetzen und so das Pflanzenwachstum rentabel machen können. Das ist keine Science-Fiction; Es ist eine praktische Notwendigkeit für die langfristige Besiedlung des Weltraums.

Das Problem mit Weltraumschmutz

Der Boden auf Mond und Mars, bekannt als Regolith, unterscheidet sich grundlegend vom fruchtbaren Oberboden der Erde. Es mangelt an organischer Substanz und leicht verfügbaren Nährstoffen, die für das Pflanzenleben erforderlich sind. Während Regolith wertvolle Mineralien enthält, sind diese Nährstoffe chemisch gebunden und für Pflanzen unzugänglich. Einfach ausgedrückt: Ohne große Eingriffe kann man im Mond- oder Mars-Dreck keine Nahrungsmittel anbauen.

Seit Jahrzehnten erforschen Wissenschaftler Lösungen wie chemische Behandlungen, Hydrokultur und energieintensive Prozesse. Allerdings benötigen sie alle kontinuierliche Versorgung von der Erde – ein unhaltbares Modell für entfernte Außenposten. Die schieren Kosten und logistischen Herausforderungen beim Transport von Düngemitteln über interplanetare Entfernungen machen die In-situ-Ressourcennutzung (ISRU) zur einzigen langfristigen Lösung.

Aus Abfall Wachstum machen

Die neueste Forschung liefert eine verblüffend einfache ISRU-Methode: Nutzen Sie den von den Astronauten selbst produzierten Abfall. Forscher am Kennedy Space Center der NASA haben mithilfe eines bioregenerativen Lebenserhaltungssystems (BLiSS) gezeigt, dass aufbereitetes menschliches Abwasser Regolith „verwittern“ kann und wichtige Nährstoffe wie Schwefel, Kalzium, Magnesium und Natrium freisetzt.

Der Prozess umfasst das Mischen von behandeltem Abwasser mit simuliertem Mond- und Mars-Regolith und anschließendes Rühren der Mischung, um die Mineralstruktur aufzubrechen. Die mikroskopische Analyse deckt physikalische Veränderungen in den Regolithpartikeln auf, die auf Verwitterung schließen lassen: winzige Vertiefungen bilden sich auf Mondproben und Nanopartikel bedecken Marsproben. Dies ist ein entscheidender Schritt zur Umwandlung von sterilem Regolith in etwas, das Erde ähnelt.

Jenseits von Poop: Das große Ganze

Die Studie bestätigt zwar die Machbarkeit der Nährstoffextraktion, stellt jedoch keine vollständige Lösung dar. Pflanzen benötigen ein breiteres Spektrum an Nährstoffen (Eisen, Zink, Kupfer), als im Experiment freigesetzt wurde. Darüber hinaus ist die BLiSS-Technologie noch nicht perfekt und der simulierte Regolith ist nicht identisch mit dem Original.

Diese Forschung baut jedoch auf bestehenden ISRU-Bemühungen auf. Frühere Studien haben gezeigt, dass der Mondregolith ein besseres Pflanzenwachstum fördert als der Marsregolith, was wahrscheinlich auf dessen dichte, tonartige Zusammensetzung und das Vorhandensein von Perchlorat (einem giftigen Oxidationsmittel) zurückzuführen ist. In anderen Forschungsarbeiten wird der Einsatz von Bakterien untersucht, um Mars-Regolith in ziegelartige Baumaterialien zu binden, was einen ganzheitlichen Ansatz für außerirdische Bauten demonstriert.

Die Implikationen sind klar: Die Errichtung dauerhafter Außenposten auf dem Mond oder dem Mars erfordert die Einführung zirkulärer Systeme, in denen Abfall zu einer Ressource wird und Selbstversorgung an erster Stelle steht.

Der Weg zur interplanetaren Regelung ist mit pragmatischen Lösungen gepflastert. Menschlicher Abfall ist kein Luxus, aber er könnte der Schlüssel dazu sein, den Roten Planeten und den Mond bewohnbar zu machen.