Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass eine Rückkehr zur traditionellen nepalesischen Küche – insbesondere zu Gerichten auf Linsen- und Reisbasis – die eskalierende Diabetes-Epidemie im Land drastisch eindämmen könnte. Ärzte und Forscher berichten von Erfolgen bei der Umkehrung von Typ-2-Diabetes durch kalorienkontrollierte, kulturell vertraute Diäten und bieten eine kostengünstige, zugängliche Lösung in einem Land, in dem Medikamente oft unerschwinglich sind.
Die Diabeteskrise in Nepal
Nepal steht vor einer schweren Diabetes-Krise, da etwa 20 % der Erwachsenen über 40 an Typ-2-Diabetes leiden. Dieser Zustand ist nicht nur ein Gesundheitsproblem; Es stellt eine erhebliche wirtschaftliche Belastung für Familien dar und führt häufig zu Komplikationen wie Nierenerkrankungen, Verlust von Gliedmaßen und Blindheit. Der Zustrom von verarbeiteten Junkfoods westlicher Art wird weithin für den Anstieg der Fälle verantwortlich gemacht.
Die Kraft traditioneller Lebensmittel
Pilotstudien in Kathmandu und laufende Versuche in ländlichen Gemeinden zeigen, dass eine Rückkehr zur traditionellen Ernährung zu bemerkenswerten Verbesserungen führen kann. Fast die Hälfte der Patienten in einer aktuellen Studie erreichten eine Remission durch eine kalorienkontrollierte Diät mit Linsen und Reis (Dal Bhat). Forscher der Universität Glasgow leiten in Zusammenarbeit mit dem Dhulikhel Hospital erweiterte Studien, um diese Ergebnisse zu bestätigen und präventive Anwendungen zu untersuchen.
Der Schlüssel liegt in der Reaktion des Körpers auf die Gewichtsabnahme. Menschen asiatischer Abstammung sind genetisch dazu veranlagt, bei geringerer Gewichtszunahme an Typ-2-Diabetes zu erkranken, benötigen aber auch weniger Gewichtsverlust, um die Erkrankung umzukehren. In Nepal kommt es bei Patienten häufig schon nach einem Gewichtsverlust von 4–5 kg zu einer Remission, was den Eingriff außerordentlich effektiv macht.
Wie es funktioniert: Ein einfacher Ansatz
Der Eingriff umfasst einen strukturierten Plan:
– Die Teilnehmer befolgen acht Wochen lang eine 850-Kalorien-Diät mit traditionellen Gerichten wie Joghurt mit Obst zum Frühstück und Dal Bhat zum Mittag- und Abendessen.
– Sie wechseln dann zu einer kalorienreicheren Version derselben Diät, um ihren Gewichtsverlust aufrechtzuerhalten.
– Die Teilnehmer erhalten Hilfsmittel wie Messbecher und Waagen sowie Selbsthilfegruppensitzungen, um die Einhaltung sicherzustellen.
Das Programm nutzt das kommunale Gesundheitssystem Nepals und verlässt sich auf weibliche Freiwillige, die die Intervention durchführen, ohne dass eine umfangreiche medizinische Infrastruktur erforderlich ist. Der Schwerpunkt liegt auf disziplinierten Essgewohnheiten und der Vermeidung von verarbeiteten Lebensmitteln mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt, die laut einer Studie aus dem Jahr 2025 bei 87 % der in Kathmandu verkauften verpackten Lebensmittel die Empfehlungen der WHO übertreffen.
Jenseits der Ernährung: Ein kultureller Wandel
Experten betonen, dass es dabei nicht nur um Kalorien geht; Es geht darum, zu einer Ernährungsweise zurückzukehren, die sich an den natürlichen Prozessen des Körpers orientiert. Der Wechsel von stark verarbeitetem weißem Reis zu nährstoffreichem braunem Reis verstärkt die Vorteile noch weiter, da der Gehalt an Vitamin B1 höher ist und den Kohlenhydratstoffwechsel unterstützt.
Das zugrunde liegende Problem ist der schnelle kulturelle Wandel, der durch die Verfügbarkeit westlicher Junkfoods vorangetrieben wird. Als sich die Transportmöglichkeiten verbesserten, überschwemmten diese Lebensmittel den Markt und trugen zu einem geringeren Aktivitätsniveau und steigenden Diabetesraten bei. Das Projekt zielt darauf ab, Gemeinden über diese Faktoren aufzuklären und eine Rückkehr zu nachhaltigen, traditionellen Essgewohnheiten zu fördern.
Die Studie, die ursprünglich von der britischen Regierung finanziert, später aber von der Howard Foundation mit 1,78 Millionen Pfund unterstützt wurde, soll zeigen, dass eine einfache Ernährungsumstellung „viel wirksamer sein kann als jedes Medikament oder jede Medizin“, wie Professor Mike Lean es ausdrückt. Die Ergebnisse unterstreichen das Potenzial kulturell zugeschnittener Interventionen zur Bekämpfung chronischer Krankheiten in ressourcenbeschränkten Umgebungen.
