Kürzlich bestätigte Fälle des Nipah-Virus im indischen Bundesstaat Westbengalen haben in mehreren asiatischen Ländern zu einer verstärkten Überwachung geführt, da die tödliche Krankheit eine erhebliche Bedrohung für die öffentliche Gesundheit darstellt. Flughäfen in Thailand, Nepal und Vietnam überprüfen derzeit Ankömmlinge, da sie einen größeren Ausbruch des Virus befürchten, das für seine hohe Sterblichkeitsrate und das Fehlen eines leicht verfügbaren Impfstoffs bekannt ist.
Das Virus: Übertragung und Schwere
Das Nipah-Virus (NiV) ist eine zoonotische Krankheit, das heißt, es überträgt sich vom Tier auf den Menschen. Die primäre Übertragung erfolgt durch Kontakt mit infizierten Tieren – insbesondere Schweinen und Flughunden – oder deren Körperflüssigkeiten. Das Virus inkubiert 4–14 Tage, bevor sich Symptome manifestieren, die typischerweise mit Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Atemnot beginnen.
In schweren Fällen verursacht NiV eine Enzephalitis (Gehirnentzündung), die zu neurologischen Komplikationen wie Schläfrigkeit, Krampfanfällen und möglicherweise tödlichen Folgen führt. Die WHO stuft Nipah aufgrund seiner Sterblichkeitsrate von 40–75 % als epidemische Bedrohung mit hohem Risiko ein – deutlich höher als bei COVID-19. Das Virus ist auch bei engem Kontakt zwischen Menschen ansteckend.
Geschichte der Ausbrüche
Das Virus wurde erstmals 1998 bei einem Ausbruch in Malaysia im Zusammenhang mit Schweinefarmen identifiziert, der über 100 Todesfälle zur Folge hatte. Seitdem ist NiV fast jedes Jahr in ganz Asien wieder aufgetaucht, darunter in Indien, auf den Philippinen, in Singapur und Bangladesch.
Bangladesch ist seit jeher ein Hotspot, wobei die Fälle häufig mit der Ernte von Dattelsaft in Zusammenhang stehen, da Flughunde Dattelpalmen bewohnen. Indien verzeichnete seinen ersten Fall im Jahr 2001 (ebenfalls in Westbengalen), und in Kerala kam es 2018 (17 Todesfälle) und 2023 (2 Todesfälle) zu größeren Ausbrüchen. Die jüngsten Fälle in Westbengalen sind die ersten bestätigten seit 2007.
Aktuelle Reaktion und regionale Bedenken
Die indischen Gesundheitsbehörden geben an, den jüngsten Ausbruch eingedämmt zu haben; seit Dezember wurden nur zwei Fälle bestätigt. Offiziellen Angaben zufolge wurden verstärkte Überwachung, Tests und Felduntersuchungen durchgeführt, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Allerdings gehen die Nachbarländer kein Risiko ein. Thailand, Vietnam und Indonesien haben die Flughafenkontrollen verstärkt, einschließlich Temperaturkontrollen und Gesundheitserklärungen für Passagiere, die aus Indien ankommen. Myanmar hat von unnötigen Reisen nach Westbengalen abgeraten und China hat die Maßnahmen zur Krankheitsprävention entlang seiner Grenzen verstärkt.
Trotz regionaler Befürchtungen hat Indien Berichte über einen Anstieg der Fälle als „spekulativ und falsch“ abgetan.
Das Fehlen eines Impfstoffs in Verbindung mit der hohen Sterblichkeitsrate des Virus macht Nipah zu einem ernsten Problem. Die jüngsten Ausbrüche unterstreichen die Notwendigkeit fortgesetzter Wachsamkeit, schneller Reaktionssysteme und internationaler Zusammenarbeit, um weit verbreitete Epidemien zu verhindern.
