Korallenriffe befinden sich in einem kritischen Zustand, mit 20 % Rückgang der weltweiten Korallenpopulationen in den letzten Jahren und Prognosen für ein mögliches Aussterben bis 2050, wenn die Meerestemperaturen weiter steigen. Dieser Zusammenbruch würde die Meeresökosysteme zerstören und Auswirkungen auf die menschliche Zivilisation haben. Zwar gibt es Schutzbemühungen, doch die derzeitigen Methoden zur Wiederherstellung der Korallen sind oft langsam, unzuverlässig und sogar schädlich. Jetzt haben Forscher eine neuartige Unterwasserpaste entwickelt, die das Korallenwachstum beschleunigt und einen neuen Weg zur Riffwiederherstellung bietet.
Die Krise der Korallenriffe
Der Rückgang der Korallenriffe wird durch Klimawandel, Ozeanversauerung und zerstörerische menschliche Aktivitäten vorangetrieben. Diese Faktoren schaffen lebensfeindliche Umgebungen, in denen Korallen ums Überleben kämpfen. Bei traditionellen Restaurierungstechniken wie dem „Korallengartenbau“ werden Fragmente in Baumschulen gezüchtet und verpflanzt. Bestehende Methoden zur Befestigung von Korallen – Kleber, Drähte, Beton – sind jedoch ineffizient und können das umliegende Meeresleben schädigen.
Ein Durchbruch in der Korallenbindung
Das neue Material, das von einem Team in Italien und auf den Malediven entwickelt wurde, kombiniert biobasiertes, biologisch abbaubares Acrylat-Sojaöl mit Graphen-Nanoplättchen. Dadurch entsteht eine leitfähige Paste, die eine schnelle und sichere Korallenbefestigung ermöglicht und gleichzeitig die Mineral Accretion Technology (MAT) unterstützt. MAT nutzt elektrische Niederspannungsströme, um die Ablagerung von Kalziumkarbonat zu stimulieren und so das Korallenwachstum zu beschleunigen. Im Gegensatz zu früheren MAT-Systemen, die auf sperrige Metallrahmen und konstante Leistung angewiesen waren, macht diese Paste große Strukturen überflüssig und verringert das Risiko einer Verschmutzung.
Wie es funktioniert: Materialwissenschaft trifft auf Meeresbiologie
Die Paste ist sowohl für kontrollierte Umgebungen (Aquarien) als auch für natürliche Riffe konzipiert. Laut Pietro Cataldi, Forscher am Istituto Italiano di Tecnologia (IIT)-Genova, kombiniert der Ansatz Materialwissenschaft, Meeresbiologie und Elektronik, um die Wiederherstellung von Korallen schneller, sicherer und skalierbarer zu machen. Simone Montano, Professorin an der Universität Mailand, betont, dass solche Technologien den Ökosystemen Zeit verschaffen, während globale Klimaschutzbemühungen Wirkung zeigen.
Zukünftige Schritte und langfristiges Potenzial
Erste Tests sind vielversprechend, aber das Team plant weitere Forschungen zu einem breiteren Spektrum von Korallenarten. Sie beabsichtigen auch, Techniken der Mikrofragmentierung zu erforschen – mit kleineren Korallenstücken, um Wachstum und Reife zu fördern. Die Integration dieser Technologie mit erneuerbaren Energiequellen (Sonnenkollektoren, Unterwasserturbinen) könnte MAT-Systeme in abgelegenen Riffen mit Strom versorgen und so die Wiederherstellungsbemühungen nachhaltiger gestalten.
Dieses neue Material stellt einen bedeutenden Fortschritt bei der Wiederherstellung von Korallen dar und bietet eine schnellere, sicherere und besser skalierbare Lösung für eine kritische Umweltkrise.
Die Dringlichkeit der Situation kann nicht genug betont werden. Korallenriffe beherbergen ein riesiges Netz an Meereslebewesen und stellen wesentliche Ökosystemdienstleistungen bereit. Dieser Durchbruch stellt ein entscheidendes Instrument im Kampf um ihre Rettung dar.






















