Nikolai Petrowitsch, Graf Rumjanzew, war nicht nur ein weiterer Aristokrat, der zu viel Zeit hatte. Er wurde am 3. April 1754 (nach moderner Datierung am 14. April) geboren und war ein starker Schlagmann in der russischen Politik und ein ernsthafter Bibliophiler. Er las nicht nur Bücher. Er hat sie gejagt. Er finanzierte Expeditionen. Er prägte, wie Russland seine eigene Geschichte verstand.

Seine Besessenheit hinterließ einen gewaltigen Fußabdruck. Die von ihm zusammengestellte Sammlung wurde zum Kern des Rumjanzew-Museums in St. Petersburg. Dieses Museum verwandelte sich schließlich in die Russische Staatsbibliothek. Heute gilt sie als eine der größten Bibliotheken der Welt. Aber der Mann selbst? Er hatte einen komplizierten Lauf an der Spitze der russischen Regierung.

Ein schneller Weg durch hohe Ämter

Rumjanzew kam von der Macht. Sein Vater war Pjotr ​​​​Aleksandrowitsch Rumjanzew, ein Feldmarschall mit großem militärischem Einfluss. Nikolay musste nicht um die Position kämpfen. Er rutschte direkt hinein.

Unter Kaiser Paul I. wurde er Senator. Das ist eine solide Grundlage. Aber erst unter Alexander I. begann er, richtig in Fahrt zu kommen.

Von 1801 bis 1809 leitete er die Wasserkommunikation. Anschließend übernahm er von 1802 bis 1811 das Amt des Handelsministers. 1810 war er Präsident des Staatsrates. Das ist fast ganz oben auf dem Haufen.

Der diplomatische Umweg

Vor seinem Machtaufschwung im Inland verbrachte Rumjanzew Jahre im Ausland. Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein russischer Staatsmann vierzehn Jahre lang (1781–95) als Gesandter des Kurfürsten der Rheinpfalz fungiert. Er hat es getan. Außerdem wurde er 1799 in den Deutschen Landtag berufen.

Dieser europäische Aufenthalt verschaffte ihm eine spezifische Weltanschauung. Dies machte ihn zu einem Befürworter einer engeren Bindung an Frankreich. Als er 1808 Außenminister wurde, setzte er sich intensiv für diese Agenda ein.

Dann kam das Jahr 1812.

Napoleon marschierte ein. Der Schock war nicht nur politischer Natur. Es war körperlich. Rumjanzew erlitt einen Schlaganfall. Er verlor sein Gehör. Der Mann, der jahrelang grenzüberschreitend verhandelte, wurde taub und ins Abseits gedrängt.

Einfluss schwindet, Vermächtnis wächst

Nach dem Schlaganfall lockerte sich sein Einfluss auf die Regierung. Er ging 1814 in den Ruhestand. Er starb am 13. Januar 1826 (15. Januar, New Style) in St. Petersburg.

Die von ihm aufgebaute Institution überlebte ihn. Das Rumjanzew-Museum wurde 1831 gegründet. Fünf Jahre nach seinem Tod.

Die von ihm kuratierte Sammlung – Bücher, seltene Manuskripte, Karten – wurde zum Herzstück eines neuen nationalen Schatzes. Es ging nicht nur darum, Papier zu horten. Es ging darum, Wissen zu bewahren. Das Museum beherbergte seine Leidenschaft und machte sie zu einer öffentlichen Ressource.

Warum kümmerten sich ein Außenminister mit Hörverlust so sehr um Karten und Manuskripte? Vielleicht, weil er das politische Geflüster nicht mehr hören konnte. Also lauschte er stattdessen der Stille der Archive.

Die Bibliothek wuchs. Die Sammlung wurde erweitert. Der Staat hat es übernommen. Rumjanzews Name blieb mit der Institution verbunden. Es ist ein gemeinsames Schicksal für Gönner. Ihre