Die NASA blickte nach unten. Was sie sahen, war nicht nur eine erhellende Welt.

Es ist chaotisch. Kompliziert. Und ehrlich gesagt, irgendwie überraschend.

Eine neue Analyse des Black Marble -Projekts – neun Jahre an Daten, nicht weniger – zeigt zwar, dass die Erde insgesamt heller wird, aber nur stellenweise. Andernorts wird es immer düsterer. Viel dunkler.

Hier ist der Clou: Zwischen 2012 und 2020 ist die weltweite nächtliche Strahlung um 34 % gestiegen. Ein großer Sprung, oder? Ja. Doch hinter diesem Durchschnitt verbirgt sich eine chaotische Realität. Die VIIRS -Instrumente an Bord mehrerer Satelliten (Suomi-NPP, NOAA-20, NOAA-21) verfolgten diese Verschiebungen. Anstelle eines gleichmäßigen Aufleuchtens auf breiter Front zeigen die Daten „bidirektionale Veränderungen“. Ein Land macht das Licht an, sein Nachbar schaltet es aus. Manchmal buchstäblich gleichzeitig.

Warum?

Also. Es kommt darauf an.

## Die Spaltung der USA

Nehmen wir die Vereinigten Staaten. Eine perfekte Studie im Widerspruch.

Städte an der Westküste? Strahlend hell. Die Bevölkerung wächst, Beton wird gegossen, LEDs werden in rasender Geschwindigkeit installiert. Man könnte meinen, der Rest des Landes würde folgen.

Du liegst falsch.

Ein Großteil der Ostküste wurde tatsächlich dunkler. Die NASA führt dies auf zwei Dinge zurück. Erstens energieeffiziente LEDs. Sie benötigen weniger Strom, um das gleiche Licht zu erzeugen, und einige der älteren, energieintensiveren Glühbirnen gehen einfach aus. Zweite? Wirtschaftliche Umstrukturierung. Die Beleuchtung des Rostgürtels wurde auf dieser Strecke nicht gerade verbessert.

Auch Europa schloss sich der Aufhellungspartei nicht an. Tatsächlich zogen sie sich zurück. Umweltschutzmaßnahmen, Bemühungen zur Bekämpfung der Lichtverschmutzung und allgemeine Energieeinsparungen führten zu einer Verringerung der Lumenzahl. Besonders Frankreich verdient hier ein Lob, da es aggressive „Dark-Sky“-Initiativen anführt, die tatsächlich die sichtbare Lichtleistung aus dem Orbit reduzieren.

## Krieg, Geld und Licht

Lichter erzählen eine Geschichte, wenn die Richtlinien dies nicht tun. Oder wenn es schlecht läuft.

Schauen Sie sich die dunklen Flecken an. Sie sind nicht zufällig. In der Ukraine, Libanon, Jemen, Afghanistan und Venezuela wurde die Nacht deutlich dunkler. Die Ursachen? Krieg. Zusammenbruch der Infrastruktur. Wirtschaftliche Implosion. Sie schalten das Licht aus, wenn Sie sich streiten oder die Rechnung nicht bezahlen können. Der Satellit sieht genau das.

Drehen Sie es nach Afrika südlich der Sahara und Südostasien. Hier dröhnen die Lichter. Die Elektrifizierung erreicht endlich auch bisher schwarze Zonen. Industrielles Wachstum, Urbanisierung, Infrastrukturprojekte. China und Nordindien führen diesen Vorstoß an. Die stärksten Zuwächse auf dem gesamten Planeten.

Wer gewinnt also den Lichtkrieg? Nicht jeder. Nirgends.

## Mehr als nur hübsche Karten

Man könnte meinen, die NASA mache nur hübsche Bilder für den Couchtisch. Das ist es nicht.

Das Produkt Black Marble leistet schwere Arbeit. Es entfernt den Lärm. Mondlicht. Wolken. Schnee. Atmosphärischer Dunst. Alles weg. Übrig bleibt vom Menschen erzeugtes Licht, das in allen Wellenlängenbereichen von Grün bis Nahinfrarot erfasst wird.

Alte Satellitenkarten? Klobige Verbundwerkstoffe im Abstand von Jahren. Verschwommene Geschichte.

Diese Daten sind täglich. Dynamisch. Es erkennt Stromausfälle in dem Moment, in dem sie auftreten. Es verfolgt die Notfallwiederherstellung. Es sieht zu, wie Industriegebiete brummen oder sterben. Es verfolgt sogar Fischereiflotten, die ihre Lichter durch den Pazifik ziehen.

Diese Sichtbarkeit hat jedoch ihren Preis. Oder besser gesagt, die Sichtbarkeit ist das Problem.

„Nächtliche Lichtmessungen… bieten Einblick in die Ausbreitung der Lichtverschmutzung.“

Astronomen hassen es. Ökologen machen sich Sorgen. Das gilt auch für Ärzte.

Künstliches Licht ist nicht nur ein Schandfleck. Es stört Ökosysteme. Zugvögel sind verwirrt. Insekten geraten außer Kontrolle. Meeresschildkröten verirren sich. Für uns? Es bringt den zirkadianen Rhythmus durcheinander. Hält uns wach. Hält die Sterne verborgen.

Wir verändern die Nacht. Nur nicht einheitlich.

Die Wirtschaft bestimmt, wo wir glänzen. Technologie verändert die Art und Weise, wie wir glänzen. Konflikt schaltet die Schalter aus. Der Planet leuchtet nicht mehr gleichmäßig. Es flackert.

Es ist ein sich veränderndes Porträt. Vom Weltraum aus sichtbar. Von unten kaum zu ignorieren.